Relative Luftfeuchtigkeit einfach erklärt: Werte, Taupunkt & Schimmel

von Comedes Fachredaktion | 7. Sep. 2026 | Allgemeine Tipps, Allgemeine Tipps für gesundes Raumklima, Raumklima-Ratgeber & Tipps

Zuletzt aktualisiert am 19. Okt. 2026

Zufriedene Familie in einem hellen Wohnraum mit Schimmel an einer feuchten Außenwand

Relative Luftfeuchtigkeit, absolute Luftfeuchtigkeit und Taupunkt

Begriff Bedeutung Einheit / Angabe Praktische Bedeutung
Relative Luftfeuchtigkeit Verhältnis zwischen vorhandenem Wasserdampf und der bei aktueller Temperatur möglichen Sättigung % Hilft bei der Beurteilung des Raumklimas
Absolute Luftfeuchtigkeit Tatsächlich enthaltene Wasserdampfmenge pro Luftvolumen z. B. g/m³ Hilfreich beim Vergleich unterschiedlich warmer Luftmassen
Taupunkt Temperatur, bei der die Luft bei gegebenem Wasserdampfgehalt Sättigung erreicht °C Hilft einzuschätzen, wann an kalten Oberflächen Kondensation auftreten kann

Merksatz: Die relative Luftfeuchtigkeit verändert sich mit der Temperatur. Die absolute Feuchte beschreibt die tatsächlich enthaltene Wasserdampfmenge. Der Taupunkt zeigt, wie weit die Luft abkühlen kann, bevor Sättigung erreicht wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Relative Luftfeuchtigkeit und Temperatur müssen gemeinsam betrachtet werden.
  • Bei gleicher Wasserdampfmenge steigt die relative Luftfeuchtigkeit, wenn die Luft abkühlt.
  • Kalte Wandoberflächen können lokal deutlich feuchter sein als die Raumluft.
  • Wird eine Oberfläche kälter als der Taupunkt der angrenzenden Luft, kann Kondenswasser entstehen.
  • Ein Hygrometer misst die Luftfeuchtigkeit an seinem Standort, nicht automatisch die Bedingungen direkt an einer kalten Wand.
  • 40 bis 60 % sind für viele Wohnräume ein Orientierungsbereich, aber keine universelle Grenze für Schimmel.

Was ist relative Luftfeuchtigkeit?

Die relative Luftfeuchtigkeit beschreibt den Sättigungsgrad der Luft mit Wasserdampf bei einer bestimmten Temperatur.

Ein Wert von 50 % bedeutet, dass die Luft bei der aktuellen Temperatur etwa zur Hälfte der möglichen Sättigung mit Wasserdampf erreicht hat.

Wichtig ist dabei die Temperaturabhängigkeit: Ändert sich die Temperatur, kann sich auch die relative Luftfeuchtigkeit verändern, obwohl der Wasserdampfgehalt der Luft zunächst gleich bleibt.

Beispiel: Warum kann dieselbe Luft plötzlich eine höhere relative Feuchtigkeit haben?

Wird warme Raumluft abgekühlt, sinkt die bis zur Sättigung mögliche Wasserdampfmenge. Die vorhandene Wasserdampfmenge entspricht dadurch einem größeren Anteil der möglichen Sättigung – die relative Luftfeuchtigkeit steigt.

Genau dieser Effekt tritt auf, wenn warme Raumluft auf eine kalte Außenwand oder Fensterscheibe trifft.

Warum beeinflusst die Temperatur die relative Luftfeuchtigkeit?

Der maximal mögliche Wasserdampfgehalt der Luft hängt stark von der Temperatur ab. Deshalb müssen Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit immer gemeinsam betrachtet werden.

Sinkt die Temperatur bei zunächst unverändertem Wasserdampfgehalt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Steigt die Temperatur, sinkt sie entsprechend.

Dieser Zusammenhang erklärt, warum ein Hygrometer in der Raummitte beispielsweise 50 oder 55 % anzeigen kann, während unmittelbar an einer deutlich kälteren Außenwand wesentlich höhere relative Feuchtebedingungen herrschen.

Wie wird die relative Luftfeuchtigkeit berechnet?

Vereinfacht gilt:

Relative Luftfeuchtigkeit = (aktueller Wasserdampf-Partialdruck / Sättigungsdampfdruck bei derselben Temperatur) × 100 %

Der Sättigungsdampfdruck hängt von der Temperatur ab. Deshalb kann sich die relative Luftfeuchtigkeit beim Erwärmen oder Abkühlen ändern, obwohl keine Feuchtigkeit zugeführt oder abgeführt wird.

Wie viel Wasserdampf kann Luft bei verschiedenen Temperaturen aufnehmen?

Warme Luft kann deutlich mehr Wasserdampf enthalten als kalte Luft. Die folgende Tabelle zeigt gerundete Sättigungswerte und macht den Temperatureffekt anschaulich.

Lufttemperatur Maximaler Wasserdampfgehalt bei Sättigung, ca. Praktische Bedeutung
0 °C ca. 4,8 g/m³ Kalte Außenluft enthält selbst bei hoher relativer Feuchte absolut nur wenig Wasserdampf.
10 °C ca. 9,4 g/m³ Beim Erwärmen dieser Luft sinkt die relative Feuchtigkeit deutlich.
15 °C ca. 12,8 g/m³ Zwischen kühlen und beheizten Räumen entstehen bereits deutliche Unterschiede.
20 °C ca. 17,3 g/m³ Typischer Wohnraumwert für Vergleichsrechnungen.
25 °C ca. 23,0 g/m³ Warme Sommerluft kann erheblich mehr Wasserdampf transportieren.

Gerundete physikalische Orientierungswerte. Das Umweltbundesamt nennt als anschauliches Beispiel rund 20 g/m³ bei 22 °C und rund 5 g/m³ bei 0 °C.

Was ist der Taupunkt?

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft bei ihrem aktuellen Wasserdampfgehalt Sättigung erreicht.

Kühlt eine Oberfläche unter diesen Wert ab, kann Wasserdampf aus der angrenzenden Luft kondensieren.

Typische Beispiele sind:

  • beschlagene Fensterscheiben,
  • Wassertropfen an kalten Leitungen,
  • Kondenswasser an kalten Außenwänden,
  • feuchte Fensterlaibungen,
  • Feuchtigkeit in kalten Raumecken.

Wichtig: Schimmelwachstum setzt nicht zwingend sichtbares Kondenswasser voraus. Kritische Feuchtebedingungen an einer Oberfläche können bereits entstehen, bevor Wassertropfen sichtbar werden.

Taupunkt-Beispiele: Wie kalt darf eine Oberfläche werden?

Der Taupunkt lässt sich aus Raumtemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnen. Die folgende Tabelle zeigt typische Beispielwerte. Wird eine Wand- oder Fensteroberfläche kälter als der jeweilige Taupunkt, kann dort Kondenswasser entstehen.

Raumtemperatur Relative Luftfeuchtigkeit Taupunkt ungefähr Praktische Einordnung
20 °C 40 % ca. 6,0 °C Oberflächen unter etwa 6 °C können Kondensation erreichen.
20 °C 50 % ca. 9,3 °C Bei einer deutlich kälteren Außenwand steigt die lokale relative Feuchte bereits vor dem Taupunkt stark an.
20 °C 60 % ca. 12,0 °C Eine Oberfläche unter rund 12 °C kann Kondensation erreichen.
20 °C 65 % ca. 13,2 °C Je höher die Raumfeuchte, desto weniger darf eine Oberfläche abkühlen.
18 °C 60 % ca. 10,1 °C Auch bei niedrigerer Raumtemperatur müssen Feuchte und Oberflächentemperatur gemeinsam betrachtet werden.

Wichtig: Die Tabelle beschreibt den Taupunkt und damit die Grenze zur Sättigung beziehungsweise möglichen Kondensation. Schimmel kann bereits bei hoher Oberflächenfeuchte entstehen, bevor sichtbares Kondenswasser auftritt. Der Taupunkt ist deshalb keine „Schimmelgrenze“.

Für eigene Messwerte können Sie den Comedes Luftfeuchte-Rechner verwenden.

Wie hängen relative Luftfeuchtigkeit und Schimmel zusammen?

Schimmelwachstum benötigt ausreichend Feuchtigkeit. Für die Beurteilung ist deshalb nicht ausschließlich die relative Luftfeuchtigkeit in der Raummitte entscheidend.

Besonders relevant sind die Bedingungen direkt an Wand-, Decken- oder anderen Materialoberflächen.

Beeinflusst werden diese unter anderem durch:

  • Raumtemperatur,
  • Oberflächentemperatur,
  • Wärmebrücken,
  • Luftzirkulation,
  • Feuchtequellen im Raum,
  • Lüftungs- und Heizverhalten,
  • bauliche Feuchte.

Deshalb gibt es keinen einzelnen Hygrometerwert, unterhalb dessen Schimmel unter allen baulichen Bedingungen ausgeschlossen werden kann.

Oberflächenfeuchte ist entscheidend: Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass direkt an einer Wand Werte von über 80 % relativer Luftfeuchtigkeit kritisch sind. Das kann vorkommen, obwohl ein Hygrometer in der Raummitte deutlich niedrigere Werte zeigt. Deshalb sollten bei wiederkehrenden Problemen Raumluft- und Oberflächenbedingungen gemeinsam betrachtet werden.

Ausführliche Maßnahmen finden Sie im Ratgeber zum Vermeiden von Schimmel.

Bei welcher Wandtemperatur besteht Schimmelrisiko?

Entscheidend ist nicht nur der Taupunkt, sondern bereits die relative Feuchtigkeit unmittelbar an der Wandoberfläche. Wird die Oberfläche kälter als die Raumluft, steigt dort bei gleichem Wasserdampfgehalt die relative Feuchtigkeit. Kritische Bedingungen für Schimmel können bereits vor dem Auftreten sichtbarer Wassertropfen entstehen.

Ein Beispiel: Bei 20 °C Raumtemperatur und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt ungefähr bei 9,3 °C. An einer Wand mit etwa 12,6 °C Oberflächentemperatur kann die relative Feuchtigkeit unmittelbar an der Oberfläche bereits ungefähr 80 % erreichen. Die Werte sind gerundete Rechenbeispiele und keine allgemeingültigen Grenztemperaturen.

Warum ist 80 % Oberflächenfeuchte wichtig?

Eine länger anhaltende hohe relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar an einer Materialoberfläche kann Schimmelwachstum begünstigen, auch ohne sichtbares Kondenswasser. Ob Schimmel tatsächlich entsteht, hängt unter anderem von der Dauer der Feuchtebelastung, dem Material und der Temperatur ab. Ein einzelner kurzzeitiger Messwert reicht für eine sichere Diagnose nicht aus.

Bei auffälligen Wandbereichen sollten neben der Raumluftfeuchte auch Oberflächentemperaturen, Wärmebrücken, Möblierung und mögliche bauliche Feuchtequellen untersucht werden.

Welche Luftfeuchtigkeit ist in Wohnräumen sinnvoll?

Für viele beheizte Wohnräume dienen etwa 40 bis 60 % relative Luftfeuchtigkeit als Orientierung. Diese Spanne ist jedoch kein universeller Grenzwert.

Messwert / Bereich Einordnung Was beachten?
Unter 40 % Eher trockene Raumluft Temperatur, Jahreszeit und Dauer berücksichtigen
40–60 % Für viele Wohnräume sinnvoller Orientierungsbereich Kalte Oberflächen können trotzdem lokal höhere Feuchte aufweisen
Dauerhaft über 60 % Erhöhte Feuchte genauer beobachten Ursache, Temperatur und kritische Oberflächen prüfen
Deutlich erhöhte Werte Kurzzeitig z. B. nach Duschen oder Kochen normal Problematischer, wenn die Feuchtigkeit über längere Zeit nicht zurückgeht

Orientierung nach Raum

Raum Orientierung Besonderheit
Wohnzimmer ca. 40–60 % Außenwände und Raumtemperatur berücksichtigen
Schlafzimmer ca. 40–60 % Durch Atmung kann die Feuchtigkeit nachts ansteigen
Arbeitszimmer ca. 40–60 % Längere Aufenthaltszeiten berücksichtigen
Küche Kurzzeitig höhere Werte möglich Feuchtigkeit nach dem Kochen abführen
Badezimmer Kurzzeitig deutlich höhere Werte möglich Feuchtigkeit nach Duschen oder Baden zügig abführen
Keller Keine einfache Universalangabe Temperatur, Nutzung und sommerliche Kondensfeuchte besonders beachten

Sind 70 % relative Luftfeuchtigkeit gefährlich?

70 % relative Luftfeuchtigkeit sind nicht automatisch eine akute Gefahr. Ein kurzer Anstieg nach dem Duschen oder Kochen ist anders zu bewerten als ein dauerhaft erhöhter Wert im Wohn- oder Schlafzimmer.

Bleibt die Raumluftfeuchte über längere Zeit bei etwa 70 %, steigt insbesondere an kalten Außenwänden, Raumecken und Fensterlaibungen das Risiko für sehr hohe Oberflächenfeuchte. Entscheidend sind die Raumtemperatur, die Dauer der Belastung und die Temperatur der betroffenen Oberflächen.

Wer wiederholt solche Werte misst, sollte den Verlauf über mehrere Tage beobachten, Feuchtequellen und Lüftung prüfen und bei auffälligen Wandstellen bauliche Ursachen abklären. Ein Hygrometerwert allein beweist weder Schimmelbefall noch schließt er diesen aus.

Luftfeuchtigkeit richtig messen

Für die regelmäßige Kontrolle eignet sich ein Hygrometer. Damit der Messwert möglichst repräsentativ ist, sollte das Gerät nicht unmittelbar an Orten stehen, deren Temperatur oder Feuchtigkeit stark vom übrigen Raum abweicht.

Ungünstig sind beispielsweise Positionen:

  • direkt am Heizkörper,
  • unmittelbar am geöffneten Fenster,
  • direkt an einer kalten Außenwand,
  • neben einer starken Feuchtequelle,
  • in direkter Sonneneinstrahlung.

Bei wiederkehrenden Feuchteproblemen kann zusätzlich die Temperatur kritischer Wandoberflächen relevant sein.

Messpraxis: Temperatur und Luftfeuchtigkeit möglichst zur gleichen Tageszeit dokumentieren. Bei dauerhaft erhöhten Werten zusätzlich auffällige Wandstellen und mögliche Feuchtequellen prüfen, statt nur einen Einzelwert zu bewerten.

Eigene Werte einordnen: Der Comedes Luftfeuchte-Rechner unterstützt bei der individuellen Bewertung gemessener Temperatur- und Feuchtewerte.

Abgrenzung: Dieser Ratgeber erklärt die physikalischen Grundlagen. Der Rechner dient dazu, konkrete eigene Messwerte einzuordnen.

Warum können Wände feucht sein, obwohl das Hygrometer normale Werte zeigt?

Ein Hygrometer misst die Luft an seinem jeweiligen Standort. Die Temperatur einer Außenwand kann jedoch deutlich unter der Raumlufttemperatur liegen.

Kühlt sich die angrenzende Luft an der Wand ab, steigt dort die relative Luftfeuchtigkeit. Dadurch können lokal kritische Bedingungen entstehen, obwohl beispielsweise in der Raummitte nur 50 oder 55 % gemessen werden.

Typische Bereiche sind:

  • Wärmebrücken,
  • schlecht gedämmte Außenwände,
  • Raumecken,
  • Fensterlaibungen,
  • Bereiche hinter großen Möbeln an Außenwänden.

Feuchte Wände können allerdings auch andere Ursachen haben, etwa eindringendes Wasser oder bauliche Feuchte. Ein normaler Hygrometerwert schließt solche Ursachen nicht aus.

Relative und absolute Luftfeuchtigkeit: Was ist der Unterschied?

Die relative Luftfeuchtigkeit beschreibt den temperaturabhängigen Sättigungsgrad in Prozent. Die absolute Luftfeuchtigkeit beschreibt dagegen die tatsächlich enthaltene Wasserdampfmenge pro Luftvolumen, beispielsweise in Gramm pro Kubikmeter.

Dieser Unterschied ist besonders wichtig, wenn unterschiedlich warme Luftmassen verglichen werden.

Warum ist das beim Lüften eines Kellers wichtig?

Warme Außenluft kann deutlich mehr Wasserdampf enthalten als kühle Kellerluft. Gelangt feuchte warme Außenluft in einen kühlen Keller und wird dort abgekühlt, steigt ihre relative Luftfeuchtigkeit.

Unter ungünstigen Bedingungen kann dadurch an kalten Kelleroberflächen Kondensation entstehen.

Weitere Hintergründe erklärt der Beitrag Luftfeuchtigkeit im Keller – Kondensfeuchte oder aufsteigende Feuchte?.

Lüften im Sommer und Winter: Warum die Außenluft unterschiedlich wirkt

Ob Lüften einen Raum trocknet, hängt nicht allein von der relativen Außenluftfeuchtigkeit ab. Entscheidend ist, wie viel Wasserdampf die Außenluft tatsächlich enthält und was beim Erwärmen oder Abkühlen dieser Luft im Raum passiert.

Situation Was passiert? Folge Praktische Konsequenz
Sommer: warme Außenluft trifft auf kühlen Keller Die Außenluft kühlt im Keller ab. Dadurch steigt ihre relative Feuchtigkeit. An kalten Oberflächen können sehr hohe Feuchtewerte oder Kondensation entstehen. Nicht automatisch tagsüber lüften. Außen- und Innenbedingungen miteinander vergleichen.
Winter: kalte Außenluft gelangt in einen beheizten Raum Die kalte Luft wird erwärmt. Bei zunächst gleichem Wasserdampfgehalt sinkt ihre relative Feuchtigkeit. Die erwärmte Außenluft kann zusätzliche Feuchtigkeit aus dem Raum aufnehmen. Stoßlüften kann im Winter besonders wirksam Feuchtigkeit abführen.
Feuchte Außenluft bei ähnlicher Temperatur Der Luftaustausch bringt möglicherweise nur wenig Trocknungseffekt. Die Raumfeuchtigkeit sinkt langsam oder kaum. Nicht nur Prozentwerte vergleichen; Temperatur und tatsächlichen Feuchtegehalt berücksichtigen.

Es gibt keinen universellen Prozentwert, ab dem Lüften „nicht mehr reicht“ und zwingend ein Luftentfeuchter benötigt wird. Ob maschinelle Entfeuchtung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Außenbedingungen, Feuchtenachschub, Raumtemperatur, Oberflächentemperaturen und einer möglichen baulichen Ursache ab. Bleibt die Feuchtigkeit trotz geeigneten Lüftens und Heizens dauerhaft erhöht, kann ein passend eingesetzter Luftentfeuchter unterstützen; Wassereintritt oder bauliche Feuchte müssen separat behoben werden.

Wann wird hohe Luftfeuchtigkeit problematisch?

Kurzfristig erhöhte Werte sind im Alltag normal. Beim Duschen, Kochen oder durch die Anwesenheit mehrerer Personen kann die Luftfeuchtigkeit vorübergehend deutlich steigen.

Genauer untersucht werden sollte die Situation insbesondere, wenn:

  • die relative Luftfeuchtigkeit über längere Zeit erhöht bleibt,
  • Fenster regelmäßig stark beschlagen,
  • Kondenswasser wiederholt auftritt,
  • muffiger Geruch entsteht,
  • Stockflecken oder Schimmel sichtbar werden,
  • Wände oder Möbel dauerhaft feucht erscheinen.

Dabei sollte nicht nur versucht werden, den Prozentwert zu senken. Entscheidend ist die Ursache der Feuchtigkeit.

Was tun bei dauerhaft hoher Luftfeuchtigkeit?

  1. Luftfeuchtigkeit und Temperatur messen. Einzelmessungen durch Beobachtung über mehrere Tage ergänzen.
  2. Feuchtequellen identifizieren. Dazu gehören beispielsweise Duschen, Kochen, Wäschetrocknen und viele Personen im Raum.
  3. Bedarfsgerecht lüften. Feuchte Innenluft sollte durch günstigere Außenluft ersetzt werden.
  4. Ausreichend und möglichst gleichmäßig heizen. Dadurch können sehr kalte Innenoberflächen vermieden beziehungsweise reduziert werden.
  5. Luftzirkulation ermöglichen. Große Möbel nicht ohne ausreichenden Abstand an problematische kalte Außenwände stellen.
  6. Bauliche Ursachen prüfen. Wiederkehrende Feuchtigkeit kann beispielsweise durch Undichtigkeiten oder andere Bauwerksprobleme verursacht werden.
  7. Bei Bedarf entfeuchten. Ein Luftentfeuchter kann erhöhte Raumluftfeuchtigkeit reduzieren, beseitigt aber keine bauliche Feuchtequelle.

Reicht angepasstes Lüften und Heizen nicht aus – etwa bei hoher sommerlicher Außenfeuchte, dauerhaftem Feuchtenachschub oder ungünstigen Kellerbedingungen – kann ein passend dimensionierter elektrischer Luftentfeuchter die Raumluftfeuchtigkeit automatisch auf einen Zielwert regeln. Das ersetzt jedoch keine Reparatur bei Wassereintritt oder baulicher Feuchte.

Mehr zur Geräteauswahl erfahren Sie im großen Luftentfeuchter-Ratgeber.

FAQ zur relativen Luftfeuchtigkeit

Wie hoch ist der Taupunkt bei 20 °C und 60 % Luftfeuchtigkeit?

Bei 20 °C Raumtemperatur und 60 % relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt ungefähr bei 12 °C. Kühlt eine Oberfläche unter diesen Wert ab, kann dort Kondenswasser entstehen. Für das Schimmelrisiko ist jedoch auch hohe Oberflächenfeuchte oberhalb des Taupunkts relevant.

Was bedeutet 70 % relative Luftfeuchtigkeit?

70 % bedeuten, dass die Luft bei der aktuellen Temperatur 70 % der bis zur Sättigung möglichen Wasserdampfmenge enthält. Bleibt ein solcher Wert in Wohnräumen dauerhaft bestehen, sollten Ursache, Temperatur und mögliche kalte Oberflächen genauer geprüft werden.

Sind 60 % Luftfeuchtigkeit bereits zu hoch?

Nicht zwangsläufig. 60 % liegen am oberen Rand eines häufig verwendeten Orientierungsbereichs für Wohnräume. Entscheidend sind Dauer, Raumtemperatur und die Temperaturen kritischer Oberflächen.

Ist 65 % Luftfeuchtigkeit zu hoch?

Ein kurzfristiger Wert von 65 % ist beispielsweise nach dem Duschen oder Kochen nicht automatisch problematisch. Bleibt die Feuchtigkeit in einem Wohnraum dauerhaft auf diesem Niveau, sollte geprüft werden, warum sie nicht zurückgeht und ob kalte Oberflächen vorhanden sind.

Warum steigt die relative Luftfeuchtigkeit beim Abkühlen?

Mit sinkender Temperatur nimmt die bis zur Sättigung mögliche Wasserdampfmenge ab. Bleibt die tatsächlich enthaltene Wasserdampfmenge zunächst gleich, steigt deshalb ihr relativer Anteil – die relative Luftfeuchtigkeit wird höher.

Warum steigt die Luftfeuchtigkeit nachts?

Menschen geben durch Atmung und Haut Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Gleichzeitig sinkt in manchen Schlafzimmern nachts die Temperatur. Beide Effekte können zu höheren relativen Feuchtewerten beitragen.

Kann Schimmel auch bei 50 % Luftfeuchtigkeit entstehen?

Ja. Der Messwert in der Raummitte beschreibt nicht automatisch die Feuchtigkeit an jeder Oberfläche. Ist eine Wand deutlich kälter, kann die relative Feuchtigkeit unmittelbar an dieser Oberfläche wesentlich höher sein.

Was ist der Unterschied zwischen Taupunkt und relativer Luftfeuchtigkeit?

Die relative Luftfeuchtigkeit beschreibt den aktuellen Sättigungsgrad der Luft bei ihrer momentanen Temperatur. Der Taupunkt bezeichnet dagegen die Temperatur, bei der diese Luft Sättigung erreicht.

Bei welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Kondenswasser?

Dafür gibt es keinen universellen Prozentwert. Kondensation hängt vom Wasserdampfgehalt der Luft und von der Temperatur der jeweiligen Oberfläche ab. Wird die Oberfläche kälter als der Taupunkt der angrenzenden Luft, kann Wasser kondensieren.

Was ist wichtiger: Luftfeuchtigkeit oder Taupunkt?

Die Werte beantworten unterschiedliche Fragen und ergänzen sich. Die relative Luftfeuchtigkeit beschreibt den aktuellen Sättigungsgrad, während der Taupunkt hilft einzuschätzen, bei welcher Abkühlung Sättigung beziehungsweise Kondensation erreicht wird.

Was ist der Unterschied zwischen relativer und absoluter Luftfeuchtigkeit?

Die relative Luftfeuchtigkeit beschreibt den temperaturabhängigen Sättigungsgrad in Prozent. Die absolute Luftfeuchtigkeit beschreibt die tatsächlich enthaltene Wasserdampfmenge pro Luftvolumen.

Hilft ein Luftentfeuchter bei hoher Luftfeuchtigkeit?

Ein Luftentfeuchter kann erhöhte Raumluftfeuchtigkeit reduzieren. Undichtigkeiten, Wasserschäden oder andere bauliche Feuchteursachen müssen jedoch separat behoben werden.

Welche Luftfeuchtigkeit ist im Altbau sinnvoll?

Auch im Altbau sind etwa 40 bis 60 % relative Luftfeuchtigkeit für viele Wohnräume ein sinnvoller Orientierungsbereich. Entscheidend ist jedoch zusätzlich die Temperatur kalter Außenwände und Wärmebrücken, weil dort lokal deutlich höhere Feuchte entstehen kann. Ein einzelner Hygrometerwert in der Raummitte reicht deshalb zur Beurteilung des Schimmelrisikos nicht aus.

Wie berechnet man den Taupunkt aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit?

Der Taupunkt lässt sich aus Raumtemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnen. Je höher die relative Feuchtigkeit bei gleicher Temperatur ist, desto näher liegt der Taupunkt an der aktuellen Raumtemperatur. Für konkrete Messwerte kann der Comedes Luftfeuchte-Rechner zur Einordnung verwendet werden.

Warum ist die Oberflächentemperatur einer Wand für das Schimmelrisiko wichtig?

An einer kalten Wand kühlt die angrenzende Raumluft ab und ihre relative Feuchtigkeit steigt. Dadurch können an der Oberfläche kritische Feuchtebedingungen entstehen, obwohl das Hygrometer in der Raummitte beispielsweise nur 50 oder 55 % anzeigt. Besonders relevant sind deshalb kalte Außenwände, Raumecken, Fensterlaibungen und Wärmebrücken.

Welche Luftfeuchtigkeit sollte ein Luftentfeuchter automatisch halten?

Für viele Wohnräume sind etwa 40 bis 60 % relative Luftfeuchtigkeit ein sinnvoller Orientierungsbereich. Ein Luftentfeuchter mit Hygrostat kann auf einen Zielwert innerhalb eines geeigneten Bereichs geregelt werden; häufig sind etwa 50 bis 55 % ein praktikabler Ausgangspunkt. Bei sehr kalten Oberflächen oder baulichen Feuchteproblemen kann jedoch auch dieser Raumwert allein keine Schimmelprävention garantieren.

Wann ist Lüften zum Senken der Luftfeuchtigkeit sinnvoll und wann nicht?

Lüften trocknet einen Raum dann wirksam, wenn die einströmende Außenluft unter den jeweiligen Innenbedingungen weniger Feuchtigkeit einträgt als abgeführt wird. Im Winter ist kalte Außenluft nach dem Erwärmen häufig trocknend, während warme Sommerluft in einem kühlen Keller zusätzliche Feuchte verursachen kann. Deshalb sollten nicht nur die relativen Prozentwerte innen und außen verglichen werden.

Ab welcher Oberflächentemperatur kann bei 20 °C und 50 % Luftfeuchtigkeit Schimmel entstehen?

Bei 20 °C und 50 % relativer Raumluftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt ungefähr bei 9,3 °C. Bereits bei einer Wandtemperatur von ungefähr 12,6 °C kann die relative Feuchte unmittelbar an der Oberfläche rechnerisch etwa 80 % erreichen. Das ist ein Hinweis auf potenziell kritische Feuchtebedingungen, keine sichere Schimmelgrenze.

Kann Schimmel ohne Kondenswasser entstehen?

Ja. Schimmelwachstum kann durch länger anhaltend hohe Feuchtigkeit unmittelbar an einer Oberfläche begünstigt werden. Sichtbare Wassertropfen sind dafür nicht erforderlich. Deshalb ist neben dem Taupunkt auch die Oberflächenfeuchte wichtig.

Fazit: Relative Luftfeuchtigkeit immer zusammen mit der Temperatur beurteilen

Die relative Luftfeuchtigkeit beschreibt den Sättigungsgrad der Luft mit Wasserdampf bei der jeweiligen Temperatur. Deshalb kann derselbe Wasserdampfgehalt bei unterschiedlichen Temperaturen zu völlig unterschiedlichen relativen Feuchtewerten führen.

Für viele Wohnräume sind 40 bis 60 % ein sinnvoller Orientierungsbereich. Für die Bewertung eines möglichen Feuchte- oder Schimmelproblems müssen jedoch zusätzlich Oberflächentemperaturen, Taupunkt, Feuchtequellen und bauliche Bedingungen berücksichtigt werden.

Konkrete Messwerte können Sie mit dem Comedes Luftfeuchte-Rechner weiter einordnen.

Weiterführende Ratgeber

Quellen

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